Ein geradezu bewundernswerter Reichtum an Nacht- und Waldgeräuschen

fächeln, flüstern, gluckern, gurren, hauchen, knistern, lispeln, murmeln, plätschern, rascheln, raunen, rauschen, rieseln, säuseln, schwirren, sirren, summen, surren, tuscheln, wispern…
Es möge Ihnen Spaß machen, in unserem schönen Wortvorrat zu baden.
(aus der aktuellen Zeit-Beilage “Wie Sie besser schreiben“)

Einer starken, kühnen, verwegenen Seele genießen; mit ruhigem Auge und festem Schritt durch das Leben gehen, immer zum Äußersten bereit wie zu einem Feste und voll des Verlangens nach unentdeckten Welten und Meeren, Menschen und Göttern; auf jede heitere Musik hinhorchen [...] und im tiefsten Genusse des Augenblicks überwältigt werden von Tränen und von der ganzen purpurnen Schwermut des Glücklichen: Wer möchte nicht, dass das alles gerade sein Besitz, sein Zustand wäre! Aber [...] mit diesem Glück Homers in der Seele ist man auch das leidensfähigste Geschöpf unter der Sonne! Und nur um diesen Preis kauft man die kostbarste Muschel, welche die Wellen des Daseins bisher ans Ufer gespült haben.
- Friedrich Nietzsche

Der Tunnel am Ende des Lichts

Alles ist ewiges Werden und Vergehen. Das muss man so sagen, da führt kein Weg dran vorbei.
Wenn ein Mensch zur Welt kommt, liegt er in seinem Kasten und kann nichts: Er kann sich selbst nicht helfen.
Und mit welcher Geschwindigkeit er dann wächst! Nach einem Jahr schon begreift er so viele Dinge und erkundet eigenständig die Welt.

Und später dann, viel viel später, wenn wir alt sind und älter und älter und zu allem Übel dann noch immer älter werden, nähern wir uns langsam dem Leichnam an, der wir eines Tages sein werden. Unsere Haut wird wachsern, unser Blick trüb, bis wir uns eines Tages selbst nicht mehr helfen können, wieder nicht mehr helfen können und sterben.

Ein Paradigmenwechsel in unserem Bewusstsein

Das ist wieder so ein weites Interessensfeld, von dem ich gar nicht weiß, womit ich anfangen soll.1
Paul Stamets forscht seit Jahren daran, wie Pilze medizinische Behandlungsmethoden optimieren, die Gesellschaft verbessern und ganz nebenbei auch noch die Welt retten können.2 Wer das fertig bringt, darf auch mit einem Hut, der aus einem Riesenpilz gefertigt wurde auf die Bühne kommen, ohne dass ihn weißgekleidete Ordnungshüter von selbiger wieder schnell verschwinden lassen.
Dass Stamets Forschungsgebiet kein esoterischer Humbug ist, zeigt er in diesem TEDmed-Talk.
11 Minuten – ansehen!

Aber jetzt zum eigentlichen Kern der Sache. Zeitraffer-Filmer Louie Schwartzberg, über den ich an dieser Stelle schon mal schrieb, hat sich mit Paul Stamets zusammengetan und an einem Dokumentarfilm gearbeitet, bei dessen Bildern mir jedes mal auf’s neue die Kinnlade runterfällt.

Und weil nicht nur die sprießenden Pilze so wahnsinnig atemberaubend sind, sondern auch das, was Paul Stamets da sagt ganz schön schlau ist, habe ich mich hier mal an eine Transkription gewagt.
Ich kann leider nicht alles hundertprozentig verstehen; wenn jemand Verbesserungsvorschläge hat oder eine der Passagen, die ich ausge[...]mmert habe versteht: rein damit in die Kommentare.3

The task that we face today is understand the language of nature. My mission is to discover the language of nature, of the fungal networks to communicate with the ecosystem. And I in particular believe nature is intelligent. The fact that we lack the language skills to communicate with nature does not impugn the concept that nature is intelligent. It speaks of our inadequacy, of our skillset for communication. We have now learned that there are these languages that are occuring and communication between each organism…if we don’t get to react together and [...] in the understanding of the organism that sustain us today, not only we will destroy those organism, but we will destroy ourselves.

We need to have a paradigm shift in our consciousness what will it take to achieve that.
If I die trying and / but I’m inadequate to the task, to make a course change in the [...] life of this planet: Ok, I tried it. The fact is I tried it. How many people are not trying?

If you knew that every breath you took could save hundreds of lifes in the future, how do you walk down this path of knowledge? Would you run down that path of knowledge as fast as you could?
I believe nature is a force of good. Good is not only a concept, it is a spirit. And so hopefully the spirit of goodness will survive.

  1. Und bei dem die Anzahl der Schlagworte die Anzahl der Wörter des Artikels bald übersteigt. []
  2. Unglaublich sehenswerter TEDtalk von ihm von 2008: Paul Stamets on 6 ways mushrooms can save the world []
  3. Dank gebührt vor allem Jihvagravasini für ihre Übersetzungshilfe. []

You will sleep in hotels. You will sleep in motels. You will sleep in your car. You will sleep in a tent. You will have a graduate degree. You will turn 37.

 

Und mit eindeutiger Klarheit kapiert, warum jeder Tag, den ich nicht bei McSweeney’s Internet Tendency vorbeigelesen hatte, vergeudet war: Failure Map

Im Test: Huaraches von Luna Sandals

Original Luna Huaraches 1

Das ging tatsächlich schneller als erwartet: Mein erstes Paar Laufsandalen ist durch.1
Seit bald drei Jahren laufe ich – wenn möglich – mit nichts unter der Fußsohle oder in Minimalschuhen, wie z.B. Vivobarefoot oder Vibram FiveFingers. Dazu gehören auch ein Paar Huaraches (“Hualaches” ausgesprochen, wie mir ein mexikanischer Kommilitone versicherte).

Letztes Jahr bestellte ich mir drüben bei Barefoot Ted McDonalds kleiner Schmiede Luna Sandals zwei Kits, eines davon bereits vorgefertigt. Es waren die einfachsten Sandalen aus dem Sortiment, ohne viel chichi. Ein Stück Sohlengummi, ein Loch zwischen erster und zweiter Zehe, ein Lederriemen, mehr nicht.

Anfangs war es gewöhnungsbedürftig, vor allem mit der für mich richtigen Schnürtechnik habe ich viel rumprobiert. Vieles hat funktioniert, vieles nicht. Schnürt man sie zu locker, fliegt sie vom Fuß; schnürt man sie zu fest, dann reibt sie und man bekommt auch Probleme. Man muß also genau das richtige Mittelmaß finden. Mittlerweile laufe ich jedoch am allerliebsten bloß noch in Sandalen (auch wenn mich die Menschen, besonders, wenn ich in der Stadt laufe wahrscheinlich für komplett bescheuert halten).

Vor allem bei sehr langen Läufen rieb mich bis jetzt der Riemen spätestens nach 10 Km so dermaßen zwischen den Zehen auf, dass ich vor lauter Blutblasen in den nächsten Tage kaum gerade gehen konnte – als verzärtelter europäischer Kulturbürger kam man schließlich niemals dazu, die Robustheit mittelamerikanischer Indianerfüße zu entwickeln.
Ich experimentierte also damit, die Stelle zunächst mit Pflaster abzukleben, was nicht gut funktionierte. Das Pflaster verrutscht mit der Zeit und verursacht bloß noch mehr Reibung. Ich fettete die Stelle mit Vaseline ein, was nur die ersten Kilometer hält. Vaseline ist zwar schön schmierig, wird aber sehr schnell weggerieben.
Was letztendes wirklich gut half, waren zwei Dinge: Die Schnürung generell nicht zu fest zu machen und für lange Läufe Hirschtalg zwischen die Zehen reiben.

Die bei meinen Sandalen mitgelieferten Lederriemen der Luna Sandals sind ausserdem nicht rund sondern flach. Überall dort, wo die kantige Seite fest aufliegt und das Material nicht mehr nachgeben kann, gibt’s Reibungsstellen. Das Leder wird zwar mit der Zeit weich und verformt sich, aber wenn es zu fest geschnürt ist, reibt besonders die kantige Seite sehr schnell in’s Fleisch.

Ich hab euch mal ein paar Fotos der Sandalen gemacht. Der Gummi selbst wäre noch total ok. Allerdings ist die Lochumrandung durchgebrochen. Das passierte, als ich längere Zeit über Schotterwege lief und fest auf ein paar spitze Steine trat.

Das an sich wäre jedoch auch nicht das Problem. Luna Sandals hat versucht, den Knoten unter dem Zeh zu versenken, indem sie eine Vertiefung in die Sandale bohrten. Zur Verstärkung liegt dort ein kleiner Plastikring drin. Das ist komfortabel, führt aber dazu, dass a) die Sohle an dieser Stelle bloß noch halb so dick ist und von den ursprünglichen 4 Millimetern nicht mehr viel übrig bleibt, und b) der Plastikring nun durch die Sohle gebrochen ist und jedesmal, wenn man z.B. auf einen Stein tritt, ziemlich böse gegen die Unterseite des großen Zehs drückt. Alles in allem also: Ende Gelände. Eine neue Sandale muss her.

Und darum werde ich mich heute, in gemütlicher Heimarbeit hinter meine Werkbank zurückziehen und mir ein neues Paar schnitzen.

 

  1. Das waren bestimmt nicht mehr als 60-70 Km. []

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